Obwohl wohl die meisten Franchise-Systeme seriös arbeiten, gibt es auch im Franchising schwarze Schafe. So versuchen unlautere Franchise-Geber z. B. über hohe Eintrittsgebühren Geld zu machen, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen.

Unseriöse Systeme lassen aber auch unausgereifte Geschäftskonzepte von Franchise-Partnern testen, ohne selbst dabei viel Risiko einzugehen. Deshalb sollten Franchise-Gründer schon bei der Suche nach Franchise-Angeboten genau hinschauen.

Ist dann tatsächlich eine Franchise-Partnerschaft geplant, ist zudem die Prüfung des Franchise-Vertrags durch einen Fachanwalt oder andere unabhängige Experten zu empfehlen. Adressen von solche Experten erhalten Existenzgründer z. B. auf Internetportalen wie www.franchiseportal.de oder auch vom Deutschen Franchise-Verband (DFV).

Weist ein Franchise-Angebot eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf, sollten Sie zumindest sehr hellhörig werden und Vorsicht walten lassen.

Chiffre-Anzeigen
Bei anonymen Franchise-Angeboten handelt es sich oft um den Probelauf eines unausgereiften Systems, den Aufbau eines Interessenten-Pools für Vermittlungsgeschäfte oder zweifelhafte Angebote für gutgläubige Interessenten. Auch sollten Sie Franchise-Systeme nicht mit so genannten Struktur- oder Multi-Level-Vertrieben verwechseln, die teilweise unter der Falschbezeichnung Franchising auf dem Markt auftauchen. Seriöse Franchise-Geber haben es in der Regel nicht nötig, sich bei der Partnersuche hinter einer Chiffre-Anzeige zu verbergen.

Kontaktveranstaltungen
Von einer möglicherweise sogar kostenpflichtigen (Massen-)Veranstaltung ist kaum eine angemessene Präsentation eines Franchise-Systems zu erwarten. Seriöse Franchise-Geber bevorzugen einen kleinen oder individuellen Rahmen und wählen ihre künftigen Partner nach eingehenden Gesprächen und Befragungen aus.

Unprofessioneller Auftritt
Grammatik- und Rechtschreibfehler, logische Unstimmigkeiten sowie lückenhafte Darstellungen etwa auf der Website oder in der Broschüre eines Franchise-Unternehmens weisen auf eine mangelnde Professionalität des Anbieters hin. Seriöse Franchise-Geber verwenden viel Zeit und Mühe auf eine korrekte und überzeugende Darstellung ihres Angebotes. Doch Vorsicht: Auch professionell gestaltete Informationsmaterialien müssen geprüft und hinterfragt werden.

Unerwünschter Besuch
Wird Ihnen als potenzieller Franchise-Nehmer der Besuch der Systemzentrale verweigert, entsprechen Lokalität und Mitarbeiter vermutlich nicht den Erwartungen an ein modernes Franchise-Unternehmen. Seriöse Franchise-Geber sind an einem gegenseitigen Kennenlernen im jeweiligen Umfeld stark interessiert und haben hier nichts zu verheimlichen.

Lockangebote
Sehr verdächtig sind auch reißerische Franchise-Angebote, die den sicheren Weg zum Reichtum versprechen. Seriöse Franchise-Geber bemühen sich im beiderseitigen Interesse um eine möglichst objektive Darstellung der Chancen und Risiken. Der europäische Verhaltenskodex für Franchising, an den sich auch der Kodex des DFV orientiert, verlangt übrigens die Einhaltung solcher Grundsätze bei der Gewinnung von Franchise-Nehmern. DFV-Mitglieder sind diesen Grundsätzen verpflichtet.

Risikolosigkeit
Vorsicht ist auch bei Angebote, die „Selbstständigkeit ohne Risiko“ oder „Verdienstmöglichkeiten ohne Risiko“ anpreisen. Angelockt vom Erfolg des Franchisings werben so unseriöse Anbieter um Ihre Gunst, die das schnelle Geld mit Ihrer Eintrittsgebühr verdienen wollen, ohne echte Gegenleistungen zu bieten.

Fehlende Erfolgsnachweise
Eine schicke Systemzentrale und Hochglanz-Broschüren sind kein Beleg für den Erfolg und die Seriosität eines Franchise-Konzeptes. Seriöse Franchise-Geber belegen die Funktionsfähigkeit ihres Systems mit konkreten Fakten oder auch den Kontaktadressen langjähriger Franchise-Nehmer. Werden solche Informationen nicht stichhaltig geliefert, können Sie auch selbst Kontakt zu einem Franchise-Partner aufnehmen oder zum Beispiel als Kunde das System testen. Natürlich gibt es auch viele neue und junge Franchise-Systeme, die noch in der Erprobungsphase mit künftigen Partnern gemeinsam so genannte Pilotvereinbarungen treffen. Diese sollten jedoch je nach Risiko individuell geprüft und ausgehandelt werden.

Finanzielle Prioritäten
Vorsicht, wenn sich der Franchise-Geber vor allem für Ihre Finanzkraft interessiert. Für seriöse Franchise-Geber sind die persönliche Eignung, der berufliche Werdegang, das soziale Umfeld des Bewerbers und die „Chemie“ zwischen Franchise-Nehmer und -Geber von ähnlicher Bedeutung wie Ihre Vermögenslage. Auch bei schnell gemachten Finanzierungsangeboten durch den Franchise-Geber sollten sie achtsam bleiben.

Zeitdruck
Wenn ein Franchise-Geber unter Hinweis auf die begrenzte Zahl der zur Verfügung stehenden Gebiete auf einen schnellen Abschluss drängt, sollten Sie besonders wachsam sein. Seriöse Franchise-Geber stellen den Interessenten ausreichend Zeit zur Verfügung, um Unterlagen eingehend zu prüfen und professionellen Rat einzuholen. Sie sollten stets das Gefühl haben, sich frei für oder gegen eine Franchise-Partnerschaft entscheiden zu können.

Vermittler ist nicht gleich Vermittler
Auch bei Vermittlern von Franchise-Partnerschaften ist Vorsicht geboten. Denn solche Franchise-Berater kassieren bei jeder vermittelten Franchise-Partnerschaft Provisionen. Wenn Sie also bei Vermittlern das Gefühl haben, Ihnen wird der Weg in die Selbstständigkeit zu leicht gemacht, prüfen Sie das Angebot nochmals genau.

Franchise-Vertrag prüfen lassen
Ein Franchise-Vertrag, der dem Franchise-Nehmer etwa hohe und langfristige Verpflichtungen auferlegt oder einen Gerichtsstand im Ausland vereinbart, sollte immer skeptisch machen. Generell sollte der Franchise-Vertrag durch eine unabhängige Instanz geprüft werden.

In der Regel gilt: Zu seriösen Franchise-Angeboten gehört eine überzeugende Geschäftsidee, die sich mindestens in einem Pilotbetrieb bewährt hat, die Bereitstellung nicht allgemein zugänglichen Know-hows durch den Franchise-Geber, eine umfassende Organisation des Franchise-Systems etwa bei Fragen des Erfahrungsaustauschs, die Eintragung und Bekanntmachung von Schutzrechten sowie die Einbringung von ausreichend Kapital, anerkannte Bonität und unternehmerischer Einsatz auf auch Seiten des Franchise-Gebers. Wenn Sie hier achtsam alle wesentlichen Faktoren Ihres Gründungsvorhabens prüfen, bei Bedarf auch mit Unterstützung Dritter, sollte einer gelungenen Franchise-Partnerschaft nichts im Wege stehen.