Mit dem Satz „Werden Sie Ihr eigener Chef“ werben viele Franchise-Systeme um neue Partner. Dass diese oder ähnliche Formulierungen jedoch nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen und falsche Erwartungshaltungen provozieren, wird bei der Franchise-Partnergewinnung oft übersehen. Sean Kelly ist Präsident des Unternehmens IdeaFarm und berät Franchise-Unternehmen seit rund 20 Jahren beim Marketing und der Markenentwicklung. In einem aktuellen Artikel auf www.franchise-chat.com rät er Franchise-Gebern, auf den „Be your own boss“-Mythos beim Marketing zu verzichten. Franchise-Blog.de verrät Ihnen heute, warum.

Die Aussage „Werden Sie Ihr eigener Chef“ suggeriert die Befreiung von Abhängigkeiten, unter denen Angestellte oft leiden. Es wird der Eindruck vermittelt, Franchise-Partner gewönnen die Kontrolle über ihr Arbeitsleben und ihren Franchise-Betrieb. Tatsache ist jedoch, dass der Erfolg von Franchise-Systemen in der Regel nicht auf der unternehmerischen Freiheit des einzelnen Franchise-Nehmers fußt. Auch wenn diese formal und in Teilbereichen gegeben ist. Der Erfolg eines Franchise-Systems basiert vielmehr auf dem Zusammenhalt des Franchise-Netzwerks und der hierarchischen Beziehung der Systemzentrale zu den Franchise-Partnern. Und selbst wenn Franchise-Nehmern Möglichkeiten geboten werden, zur Entwicklung des Systems beizutragen, sind die Franchise-Nehmer am Ende in vielen wesentlichen Bereich an die Vorgaben des Franchise-Gebers gebunden: Sei es bei der Sortiments- oder Dienstleistungsgestaltung, beim Marketing oder den Möglichkeiten zur Expansion, um nur einige Bereiche zu nennen. Da es sich hierbei um wesentliche Aufgabenfelder handelt, bei denen unabhängige Unternehmer bzw. Chefs ohne Wenn und Aber das Sagen haben, kann das Versprechen „Werden Sie Ihr eigener Chef“ zumindest zu grundlegenden Missverständnissen führen.

Franchise-Nehmer: Eher Manager als Chefs

In der Tat suchen die meisten Franchise-Systeme genau betrachtet keine Chefs, sondern vielmehr Manager, die dazu in der Lage sind, neue Standorte nach den Vorgaben des Systems zu entwickeln. Und zu Recht wird auch in Deutschland inzwischen vermehrt von Managern als von Chefs gesprochen, wenn es um die Bezeichnung von Franchise-Nehmer geht. Der Begriff Manager beschreibt die Rolle eines Franchise-Partners oft weitaus besser als das Wort „Chef“. Den „Manager“ zielt auf zentrale Qualfikationen wie Führungskraft, Teamfähigkeit und betriebswirtschaftliches Können, die von Franchise-Partnern oft erwartet werden.

Chef-Sessel-Träume platzen, der Franchise-Alltag bleibt

Das Versprechen, als Franchise-Partner der eigene Boss zu sein, können Franchise-Geber in der Regel nicht einlösen. Das Versprechen, als verantwortungstragender Manager zu agieren, hingegen schon. Kelly geht in seinem Artikel davon aus, dass viele Franchise-Systeme den Chef-Mythos aus reinen Marketinggründen unreflektiert verwenden. Der Traum von Chefsessel ist auch hierzulande vor allem mit falschen Vorstellungen verbunden. Daher sollten Franchise-Systeme, die gute Partner mit realistischen Erwartungen gewinnen wollen, besser darauf verzichten, Träume zu verkaufen, auch wenn dies im ersten Schritt mehr Anfragen und mehr Aufmerksamkeit verspricht. Systeme, die dennoch mit Slogans wie „Werden Sie Ihr eigener Chef“ hausieren gehen, programmieren Konflikte vor. Konflikte, die spätestens dann zu Tage treten, wenn der Chef-Sessel-Traum platzt und der Franchise-Nehmer-Alltag greift.

Ihre Meinung zählt: Ist es sinnvoll, Franchise-Partner mit dem Chef-Versprechen zu locken?