Der letzte Beitrag “Die Aussagekraft allgemeiner Wachstumzahlen für Franchise-Gründer” hat darauf aufmerksam gemacht, dass sich trotz der zum Wachstum der Franchise-Wirtschaft veröffentlichten Zahlen beim genaueren Hinweisen ein sehr unterschiedliches Bild ergibt. Denn zahlreiche Franchise-Systeme verzeichneten in der jüngeren Vergangenheit staginierende oder gar rückläufige Standortzahlen. Dieses Mal geht es unter anderem um die Frage, wie sich seriöse Franchise-Systeme gerade in wachstumsschwachen Zeiten besser unterscheidbar machen könnten.

Klar ist, dass eine Stagnation oder der Rückgang an Standorten per se kein Argument gegen eine Franchise-Partnerschaft mit einem betroffenen System ist. Schließlich können durch wachstumsschwache Zeiten freigesetzte Ressourcen auch genutzt werden, um Systeme weiterzuentwickeln und Innovationen voranzutreiben. Klar ist aber auch, dass die meisten Franchise-Systeme in diesem Bereich wenig transparent kommunizieren. Auch über konkrete Entwicklungs-Maßnahmen informieren die Systemzentralen nur selten, Kommunikation zu Standortschließungen scheuen die Franchise-Geber. Dabei bieten auch scheinbar problematische Themen gerade in Zeiten, in denen es schwer ist, neue Franchise-Partner zu gewinnen, beste Chancen, sich von der Franchise-Konkurrenz unterscheidbar zu machen und eine verbesserte Vertrauensgrundlage zu schaffen. Denn seriöse Franchise-Systeme können in der Regel gut begründen, warum es zu Schließungen gekommen ist oder welche Faktoren das Wachstum hemmen. Franchise-Systeme, die hier mehr Rückgrat zeigen würden, könnten ganz neue Einblicke in das Thema Franchise-Partnerschaft und darüber hinaus in die jeweilige Branche gewähren. Wenn immer mehr Franchise-Systeme nach Partnern mit Managerqualitäten suchen, die sich auch fürs Multi-Unit-Franchising eignen, sind es gerade die bisherigen Tabuthemen, die eine Selbstständigkeit als Franchise-Nehmer wieder interessant machen können.

Thematisiert werden könnte zum Beispiel, was bei Problemen unternommen wird bzw. welche Probleme überhaupt auftreten können. Oder: Wie sehen die Regelungen bei Misserfolg aus? Inwieweit bliebt das Verhältnis zwischen Franchise-Geber und -Nehmer auch dann noch partnerschaftlich? Welche Erkenntnisse hat die Systemzentrale aus schwierigen Fällen gewonnnen, welche Maßnahmen oder Veränderungen wurden dadurch angestoßen? Welche Relevanz hat die Gewinnung neuer Franchise-Nehmer (Stichwort: Einstiegsgebühr) für die finanzielle Ausstattung der Systemzentrale? Welche konkreten Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Franchise-Nehmer? Erstaunlich ist die intransparente Kommunikation in diesen Themenbereichen auch, weil fast alle dieser Informationen Franchise-Bewerbern im Rahmen der vorvertraglichen Aufklärung so oder so zur Verfügung gestellt werden müssen.

Zeit für ein Franchise-Geber-Branding

Die gute Beschäftigungslage in Deutschland hat bei Arbeitgebern längst dafür gesorgt, kreativ neue Angebote und Leistungen für neue Mitarbeiter zu schaffen. Im Rahmen des Employer-Brandings arbeiten Unternehmen an Konzepten, die sie als Arbeitgeber besonders attraktiv machen. Denn nur wer viel zu bieten hat, kann heute wirklich gute Mitarbeiter gewinnen. In der deutschen Franchise-Wirtschaft ist ein ähnlicher Trend bisher kaum auszumachen. Dabei ist klar, dass Franchise-Systeme bei der Gewinnung neuer Partner nicht nur untereinander, sondern auch mit Arbeitgebern konkurrieren.

Daher sollten Franchise-Geber dringend damit beginnen, auch Themen des Employer-Brandings für sich zu entdecken. Dazu gehören aller Betonung der Selbstständigkeit von Franchise-Nehmern zum Trotz eben auch Aspekte der Existenzsicherheit, der sozialen Leistungen, der Verdienstmöglichkeiten sowie Anreizsysteme und Karriereoptionen. Wenn sich Franchise-Systeme diesen Themen nicht bald widmen, steht zu befürchten, dass die deutsche Franchise-Wirtschaft in Zukunft noch mehr Schwierigkeiten haben wird, erfolgreiche Franchise-Nehmer zu gewinnen – einfach weil potenzielle Franchise-Partner, vor allem die mit Managerqualitäten, vernüftigerweise gute Jobangebote vorziehen. Das Gute: Es müssten nur wenige seriöse Franchise-Systeme damit beginnen, ihre Kommunikations- und Franchise-Nehmer-Gewinnungsstrategie zu verändern. Alle anderen wären schnell dazu gezwungen nachzuziehen und ihre Leistungen als Franchise-Geber zu verbessern. Denn Systeme, die ihren Partnern das Beste bieten und dies auch klar kommunizieren, haben gute Chancen, auch in Zukunft zu expandieren.

Suggerierte Homogenität

Auch wenn sich die im Teil 1 dieses Artikels aufgestellte Liste von Systemen mit stagnierenden oder rückläufigen Standortzahlen ohne großen Aufwand erweitern ließe, soll mit dieser Aufstellung nicht die Qualität der einzelnen Franchise-Systeme in Frage gestellt werden. Vielmehr soll sie dazu beitragen, dass Franchise-Gründer keine falschen Schlüsse aus den jährlich verkündeten Wachstumsbehauptungen im Hinblick auf die deutsche Franchise-Wirtschaft ziehen. Denn ähnlich wie bei den in diesem Blog bereits mehrfach hinterfragten Rankings von Franchise-Systemen ist auch die Aussagekraft von Zahlen zur Entwicklung der Franchise-Wirtschaft aus Gründersicht nur wenig wert. Denn der Begriff Franchise-Wirtschaft suggeriert ein Maß an Homogenität der Franchise-Unternehmen, das nicht gegeben ist. Häufig wird fälschlicherweise sogar von einer Franchise-Branche gesprochen. Eine Branche oder ein Wirtschaftszweig ist aber eine Sammelbezeichnung für Unternehmen, die weitgehend substituierbare Produkte oder Dienstleistungen herstellen und/oder verkaufen. Franchising ist hingegen nicht mehr als eine Vertriebsform. Unternehmen, die Franchise-Lizenzen anbieten, findet man in ganz unterschiedlichen Branchen – das allein sorgt für ein hohes Maß an Heterogenität. Zudem wird das Franchising von Franchise-Systemen teils sehr unterschiedlich interpretiert und umgesetzt. Und oft agieren Unternehmen darüber hinaus sowohl als Filialisten (eigene Standorte) als auch als Franchise-System (Franchise-Standorte). Dem Franchising per se besondere Vorteile oder Erfolge zuzuschreiben ist daher am Ende immer falsch.

Nächstes Mal – Deutsche Franchise-Wirtschaft Teil 3: Qualitätssiegel und Allgemeinplätze