Im Frühjahr 2014 hatte der Deutsche Franchise-Verband (DFV) bekannt gegeben, dass etwa 60 Prozent der Franchise-Systeme, die der Verband im Rahmen des Franchise-Barometers befragt hatte, ihre Expansionsziele 2013 nicht erreichen konnten. Auch 2014 haben nur 47 Prozent der Franchise-Geber ihre Ziele hinsichtlich der Expansion erreicht (Quelle: DFV-Franchise-Barometer 2014). Der zum Franchise-Beratungs- und PR-Unternehmen Peckert zählende Mediendienst „Forum Franchise und Systeme“ meldete vor Kurzem ein Wachstum der deutschen Franchise-Wirtschaft im Jahr 2014. Doch wer sich als Partner eines Franchise-Systems selbstständig machen will, sollte diesen Zahlen nicht allzu viel Wert beimessen, sondern besser jedes Franchise-System einzeln unter die Lupe nehmen.

Laut Mediendienst „Forum Franchise und Systeme“ wuchsen die bundesweit rund 950 Franchise-Systeme in Deutschland im Jahr 2014 um 3,1 Prozent auf rund 156.000 Betriebe. Damit hätten im vergangenen Jahr über 4.650 neue Franchise-Betriebe aufgemacht. Durchschnittlich seien pro Franchise-System etwa fünf neue Standorte erschlossen worden. Die Zahl der Franchise-Partner sei um 2,3 Prozent auf rund 117.500 gestiegen. Demnach hätten sich 2014 über 2.600 neue Franchise-Partner selbstständig gemacht. Die Zahlen suggerieren Erfolge der Vertriebsform Franchising per se. Wer jedoch die Entwicklung einzelner Franchise-Systeme betrachtet, kann durchaus Zweifel entwickeln, dass wirklich Wachstum vorherrscht.

Selbstverständlich konnten 2014 auch etliche Franchise-Systeme stark expandieren. Dazu zählt zum Beispiel das EMS-Franchise-System Bodystreet, das 2014 rund 35 neue Standorte eröffnet hat. Oder auch das Gastronomie-System Hans im Glück mit über 15 Neueröffnungen, das Franchise-System Das Futterhaus (18 weitere Märkte) und das backgastronomische Franchise-System Backwerk (3 Prozent Umsatzplus auf bestehender Fläche, 24 neue Standorte). Weitere Beispiele für Wachstum im Jahr 2014 liefern zudem Franchise-Systeme wie:

Stagnation und rückläufige Standortzahlen

Doch ebenso leicht lassen sich Beispiele für Franchise-Systeme finden, die kaum noch Standortzuwachs verzeichnen, stagnieren oder gar rückläufige Standortzahlen aufweisen. Darunter auch viele Vollmitglieder des Deutschen Franchise-Verbands, die den DFV-Systemcheck des Verbands bestanden haben und mit dem entsprechenden Zertifikat auch besondere Qualität belegen wollen.

Sicher ist der Blick allein auf die Standortzahlen nicht das einzige Kriterium für Erfolg im Franchising. Die Zahl der Standorte trägt aber wesentlich zum Erfolg bei – sei es im Hinblick auf die Markenbekanntheit, die durch Franchise- und Werbe-Gebühren finanzierte Schlag- und Innovationskraft der Systemzentrale oder auch verbesserte Einkaufskonditionen. Leider werden von Franchise-Systemen nur selten Zahlen bereitgestellt, die die Systementwicklung über mehrere Jahre hinweg sichtbar machen. Transparenz wird hier zwar auch vom DFV immer wieder gefordert, doch tatsächlich gibt es aktuell kaum Quellen, die den Vergleich von Geschäftszahlen ermöglichen.

Im Folgenden einige Beispiele für Franchise-Systeme, die in der jüngeren Vergangenheit kaum noch gewachsen sind bzw. stagnierende oder rückläufige Standortzahlen verzeichneten:

  • BabyOne
    Aktuell nach eigenen Angaben 81 Standorte in Deutschland und 4 in Österreich (Quelle: Unternehmenswebsite). 2013 gab es bereits 86 BabyOne-Fachmärkte.
  • Back-Factory
    In den vergangenen Jahren sprach das Unternehmen noch von rund 130 Stores, aktuell ist von rund 110 die Rede (Quelle: Pressemitteilungen).
  • Cartridge World
    Cartridge World in Deutschland zählte bereits 2008 über 50 Shops. Damals wollte Cartridge World noch bis 2011 mit 200 Geschäften vertreten sein. Doch aktuell beläuft sich die Gesamtzahl der Shops in Deutschland auf „über 40“ (Quelle: Unternehmenswebsite).
  • CaloryCoach
    Ende 2012 zählte das Franchise-System CaloryCoach eigenen Angaben zufolge über 120 Standorte in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Laut Pressemappe des Unternehmens sind es heute rund 100. Auf der Website werden aktuell noch weniger Standorte angezeigt.
  • Duden Institute für Lerntherapie
    Laut DFV-Mitgliedereintrag gibt es rund 40 Franchisenehmer und nahezu 70 Standorten in Deutschland. Auf der Website gelistet werden etwa 57 Standorte in Deutschland und einer in der Schweiz.
  • Mrs.Sporty
    Aktuelle Angaben der Franchise-Website: „mehr als 450 Franchise-Partner führen über 550 Clubs in 7 Ländern Europas.“ Die gleiche Zahl wurde schon 2013 genannt. Zugleich wurden seither aber zahlreiche Neueröffnungen verkündet.

Kaum Quellen zu Standortzahlentwicklung

Bei vielen Franchise-Systemen lässt sich die Entwicklung der Standortzahlen über mehrere Jahre hinweg kaum überprüfen, da hierzu von den Franchise-Gebern selbst nur selten Angaben gemacht werden. Seit 2014 erscheint zudem das bisher jährlich veröffentlichte Franchise-Ranking des Unternehmermagazins Impulse nicht mehr. Trotz aller, auch von Franchise-Blog.de geäußerten Bedenken gegenüber dem Ranking ist damit auch die letzte öffentlich zugängliche Quelle zur Entwicklung von Standortzahlen bei Franchise-Systemen in Deutschland versiegt. Die Mitgliedseinträge des DFV zeigen ebenfalls keine Zahlenreihen.

Selbstverständlich ist eine Stagnation oder der Rückgang an Standorten nicht alleine durch Schließungen mangels Profitabilität zu erklären. Auch altersbedingte Übergaben oder Verkäufe von Standorten sowie Aufgaben aus persönlichen Gründen sind durchaus verbreitet. Doch viele Franchise-Systeme verkünden nicht nur ehrgeizige Expansionszahlen, sondern werben auch mit vorgeblichem Wachstum. In der Regel werden dabei nur Eröffnungen und neue Partner kommuniziert, Schließungen und Partnerverluste aber nicht benannt oder gegengerechnet.

Es gibt nicht wenige Beispiele für Franchise-Systeme, die seit Jahren regelmäßig neue Partner melden, deren Gesamtzahl an Partnern oder Standorten aber dennoch stagniert. Aus Marketingsicht mag die Konzentration auf Erfolgsmeldungen auf den ersten Blick verständlich und nachvollziehbar sein. Bedacht wird dabei aber nicht, dass sich permanente Erfolgsmeldungen auch negativ auf die Partnerakquise auswirken können. Denn die Darstellung einer problemfreien Franchise-Welt kann Franchise-Interessenten skeptisch machen und dazu führen, dass sie von einer Kontaktanfrage absehen. Franchise-Interessenten, die bei der Selbstdarstellung eines Systems das Gefühl haben, zuviel Rosa zu begegnen oder gar Unstimmigkeiten entdecken, ist in jedem Fall geraten, genauer hinzuschauen und die Erfolgsmeldungen gezielt zu hinterfragen.

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