Seit 2006 veröffentlichte das Unternehmermagazin Impulse ein umstrittenes Ranking der vermeintlich besten Franchise-Systeme in Deutschland. Im vergangenen Jahr gab es statt einer Liste der “100 besten Franchise-Systeme” nur noch ein Top-50-Ranking. Der Grund für diese Veränderung: Nur noch knapp 80 Franchise-Systeme hatten am Impulse-Ranking teilgenommen. In diesem Jahr scheint das Franchise-System-Ranking gar nicht mehr zu erscheinen. Trotz aller Kritik, die auch Franchise-Blog.de in der Vergangenheit am Impulse-Ranking geübt hatte – die Einstellung des Rankings ist auch ein Verlust. Mehr noch: ein Symbol für viel zu viel Intransparenz in der deutschen Franchise-Wirtschaft.

In den vergangenen Jahren war die Rangliste der Franchise-Systeme in den September bzw. Oktober-Ausgaben von Impulse erschienen. 2014 ist das Ranking in diesen Ausgaben nicht mehr zu finden. Ebenso wenig im aktuellen November-Heft. Eine Anfrage dieser Redaktion bei Impulse vom 8.10.2014 zur Zukunft des Franchise-Rankings blieb bisher unbeantwortet.

Mangel an Transparenz – in der Franchise-Wirtschaft und beim Ranking

Im Dezember 2013 hatte Impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster unter Bezugnahme auf die Datenerhebung zum Franchise-Ranking fehlende Transparenz bei vielen Franchise-Systemen moniert. Die Methodik und ein Mangel an Transparenz waren allerdings auch Gegenstand der Diskussion des Impulse-Rankings hier auf Franchise-Blog.de.

Dennoch ein Verlust

Trotz aller Kritik, die am Impulse-Ranking geäußert werden konnte, scheint die deutsche Franchise-Wirtschaft mit der möglichen Einstellung der Franchise-Rangliste ein wichtiges Informationsmedium verloren zu haben. Denn das Impulse-Ranking war eine der wenigen – wenn nicht die einzige – Quelle für wichtige Kennzahlen von Franchise-Systemen. Vor allem im Hinblick auf die Entwicklung der Standort- und Franchise-Nehmer-Zahlen über mehrere Jahre hinweg.

Keine handfesten Zahlen verfügbar

Franchise-Interessierte, die ohne das Impulse-Ranking herausfinden wollen, wie sich ein Franchise-System in den vergangenen Jahren entwickelt hat, können dies in der Regel nur noch durch die Recherche nach alten Nachrichten oder Pressemitteilungen des jeweiligen Systems. Transparente Informationen zu diesen wichtigen Kennzahlen liefert so gut wie kein Franchise-System. Und auch der Deutsche Franchise-Verband, der selbst immer wieder mehr Transparenz fordert, stellt auf seinen Mitgliedern-Seiten keine Zahlen bereit, aus denen sich Entwicklungen ablesen ließen.

Ohne Anspruch auf Qualitätsaussagen

Das es auch anders geht, zeigt das US-Magazin Entrepreneur, das jährlich ein eigenes Franchise-Ranking veröffentlicht. Im Unterschied zu Impulse allerdings ohne Anspruch auf Qualitätsaussagen zum jeweiligen Franchise-System. Grundlage sind hier objektive und quantifizierbaren Faktoren bzw. die Finanzdaten der Franchise-Unternehmen, die von einem unabhängigen Buch- und Rechnungsprüfer analysiert werden. Ein solches Ranking ist am Ende aussagekräftiger als jede Rangliste, die sich auf die Expertise einer Jury oder eine undurchsichtige qualitative Methodik beruft.

Paradox und kontraproduktiv

Solange die meisten Franchise-Systeme in Deutschland und auch der DFV die Veröffentlichung transparenter Zahlen und Zahlenentwicklungen scheuen wie der Teufel das Weihwasser, wird es hierzulande wohl kaum ein faktenbasiertes Franchise-Ranking geben. Der große Irrtum, dem die deutsche Franchise-Wirtschaft dabei aufsitzt, ist der Glaube, mit Erfolgs- und PR-Gedudel könnten potenzielle Gründer fürs Franchising gewonnen werden. Wer heute gute Franchise-Partner will, sucht meist nach Unternehmertypen, die PR und Fakten gut unterscheiden können. Insofern ist die Kommunikationsstrategie des größten Teils der deutschen Franchise-Wirtschaft in weiten Teilen geradezu paradox und kontraproduktiv.

Wer macht den ersten Schritt

Es ist höchste Zeit, dass zumindest einzelne Franchise-Systeme damit beginnen, wirklich transparent zu kommunizieren und erkennen, dass darin keine Gefahr, sondern die eigentlichen Chancen liegen. Systeme, die Manager und fähige Franchise-Partner gewinnen wollen, können diese nur überzeugen, wenn sie auf alle Fragen gute Antworten und transparente Informationen liefern – sei es zu Standortschließungen, Problemen mit Franchise-Partner, Verdienstmöglichkeiten oder der Systementwicklung über Jahre hinweg.

Nichts ist überzeugender als die Wahrheit

Gute und seriöse Franchise-Systeme könnten jederzeit damit aufhören, rosarote Allgemeinplätze des Franchisings zu bemühen. Sie benötigen weder den Topos, eine Franchise-Gründung sei per se sicherer als eine in Eigenregie, noch irgendwelche Qualitätssiegel, deren Aussagekraft zumindest im Hinblick auf eine langjährige Franchise-Partnerschaft fragwürdig ist. Gute und seriöse Franchise-Systeme müssten einfach nur ihre Qualität mit eigenen Fakten und Zahlen belegen. Auch bisherige Tabuthemen wie Schließungen oder Konflikte sind dabei kein Problem – wenn das System gute Gründe und Erkenntnisse, die daraus gewonnen wurden, benennen und belegen kann. Es bräuchte nicht viele Franchise-Systeme, die hier den Anfang machen. Sie wären schnell unterscheidbar und viel interessanter für Gründer als alle Franchise-Erfolgsdudler. Gut wäre auch, dass andere dann nachziehen müssten – und das könnten nur seriöse Systeme. Die Spreu wäre vom Weizen getrennt.