Vor wenigen Tagen berichtete das ARD-Magazin Report München über zwei Fälle, bei denen Franchise-Nehmer mit ihrer Selbstständigkeit gescheitert sind. Der Bericht wurde im Blog des Bayerischen Rundfunks kontrovers diskutiert. Dabei wurden unter anderem Stimmen laut, die den betroffenen Franchise-Nehmern mangelnde Eigenverantwortung bei der Wahl des Franchise-Systems bzw. für den Erfolg ihrer Selbstständigkeit vorwerfen. Auch wenn bei einer Franchise-Partnerschaft prinzipiell beide Seiten – Franchise-Nehmer und Franchise-Geber – zum Erfolg beitragen, können Franchise-Gründer durch umfassende Prüfung von Franchise-Angeboten einen späteren Absturz vermeiden.

Zu dieser Prüfung gehört stets auch eine authentische Beschreibung der eigenen Persönlichkeit und des eigenen Gründerprofils. Denn der Umfang der Leistungen, die Franchise-Systeme ihren Partnern bieten, ist sehr unterschiedlich. Wer als Franchise-Gründer zum Beispiel bereits über gutes Marketing-Know-how verfügt, braucht in diesem Bereich weniger Unterstützung und ist vielleicht sogar froh darüber, hier freier agieren zu können. Dieser Abgleich zwischen vorhandenem Know-how und Leistungen der Systemzentrale sollte in allen wesentlichen Unternehmensbereichen vorgenommen werden, etwa in den Bereichen Buchhaltung, Pressearbeit, Verkauf und Vertrieb, branchenspezifisches Know-how oder CRM. Dieser Abgleich hilft auch dabei, herauszufinden, ob Systemleistungen bzw. -vorgaben als Unterstützung oder als Bevormundung empfunden werden. Darüber hinaus ist es wichtig, sich klar zu machen, dass fehlendes Know-how, das auch nicht von der Systemzentrale abgedeckt wird, später schnell zu zusätzlichen Kosten führen kann, etwa durch das Engagement externer Dienstleister oder Weiterbildungsmaßnahmen, die in Eigenregie durchgeführt werden.

Franchise-Vertragsfragen

Gerade rechtliche Fragen einer Franchise-Partnerschaft lassen sich meist nicht von Franchise-Gründern selbst beantworten. Die Aussagen des Franchise-Gebers zu Vertragsinhalten sind stets zu hinterfragen. Am besten prüfen Franchise-Gründer den Franchise-Vertrag zusammen mit einem unabhängigen Franchise-Anwalt oder -Experten – Satz für Satz. Denn nur wer sich alle enthaltenen Vertragspunkte und mögliche Konsequenzen erklären lässt, weiß am Ende, ob die Zusammenarbeit auf einem Fundament ruht, das beide Seiten zufriedenstellt. Den Franchise-Vertrag pauschal prüfen zu lassen, ist nicht empfehlenswert, da viele Regelungen zwar üblich sind, aber unter Umständen nicht zum eigenen Gründerprofil passen. Zeigt sich der Franchise-Geber bei Vertragsinhalten nicht verhandlungs- oder kompromissbereit, ist es oft besser, von einer Franchise-Partnerschaft abzusehen.

Branchenfragen

Eine Franchise-Gründung sollte immer auch mittel- und langfristige Fragen berücksichtigen. Auch wenn ein Franchise-System seit Jahren erfolgreich expandiert oder aktuell Erfolge feiert, ist dies keine Garantie für zukünftigen Erfolg. Franchise-Gründer sind daher gut geraten, stets auch selbst die Branche, in der ein System aktiv ist, unter die Lupe zu nehmen. Oft bieten Branchenverbände hier gute Informationen. Auch Konkurrenzunternehmen, die nicht als Franchise-Geber aktiv sind, können Hinweise liefern, welche Trends vorhanden sind und welche vermutet werden. Vergleiche mit Konkurrenten können zudem Schwächen und Stärken eines Franchise-Systems aufdecken und sichtbar werden lassen, ob ein Franchise-System tatsächlich über besondere Alleinstellungsmerkmale verfügt, die nicht ohne Weiteres kopiert werden können.

Me-too – ähnliche Franchise-Systeme vergleichen

In vielen Bereichen – etwa bei Franchise-Fitness-Ketten, Franchise-Coffee-Shops oder Franchise-Nachhilfe-Ketten – gibt es mehrere ähnliche Franchise-Systeme, die um neue Franchise-Nehmer buhlen. Franchise-Gründer sollten diese Konkurrenzsituation nutzen und die Profile der Franchise-Systeme eingehend vergleichen. Die Konkurrenz sollte auch im direkten Gespräch mit dem jeweiligen Franchise-Geber angesprochen werden: Die Qualität der Argumente kann eine wertvolle Entscheidungshilfe sein.

Augen auf

Franchise-Gründer sollten sich immer auch selbst Eindrücke von bestehenden Standorten eines Franchise-Systems verschaffen und dabei ausreichend Zeit investieren. Auch Gespräche mit den Franchise-Nehmern und deren Mitarbeitern sind sinnvoll. Zudem bietet das Internet oft erhellende Informationen, wenn zum Beispiel Foren, Blogs oder auch soziale Netzwerke wie Facebook durchsucht werden. Eine einfache Standardsuche über Google ist dabei allerdings in der Regel nicht genug.

Bei der Franchise-Gründung realistisch bleiben

Der Traum vom eigenen Unternehmen verführt schnell zu unrealistischen Einschätzungen einer Franchise-Gründung – vor allem auch, was die Verdienstmöglichkeiten angeht. Viele Franchise-Systeme ermöglichen zwar ein einigermaßen gesichertes Einkommen, aber kaum die Chance auf Reichtum. Zumindest wenn der Franchise-Nehmer sich auf die Eröffnung nur eines Standorts beschränkt. Bei der Erstellung des Businessplans sollten prognostizierte Werte stets mehrfach hinterfragt werden. Mit Schönfärberei ist ein Scheitern nahezu vorprogrammiert. Eine realistische Betrachtungsweise muss dabei keineswegs demotivierend sein. Vielmehr hilft sie, die Herausforderungen einer Franchise-Gründung auch zu meistern.

Guter Rat

Auch Franchise-Gründer, die sich von Franchise-Beratern unterstützen lassen, dürfen den eigenen Kopf nicht ausschalten. Denn Franchise-Berater verdienen erhebliche Summen an der Vermittlung von Franchise-Nehmern. Wirklich unabhängige Beratung ist damit eher die Ausnahme als die Regel. Deshalb ist es auch hier sinnvoll, die Stimmen verschiedener Experten zu Rate zu ziehen und die Aussagen von Beratern zusätzlich selbst zu überprüfen.

Kritische Haltung auf beiden Seiten

Gerade weil eine erfolgreiche Franchise-Partnerschaft auch Vertrauen zwischen Franchise-Geber und -Nehmer braucht, ist es wichtig, eine Franchise-Gründung mit kritischer Grundhaltung anzugehen. Diese (selbst-)kritische Haltung sollte im Idealfall auf beiden Seiten vorhanden sein. Franchise-Geber, die Franchise-Kandianten nur in Sachen Eigenkapital und Finanzierung prüfen und nicht die unternehmerischen Fähigkeiten des Gründers insgesamt hinterfragen, sollten besonders genau unter die Lupe genommen werden.