Wer schon einmal etwas intensiver nach dem Wort „Franchise“ gegoogelt hat, wird schon auf die drei Großbuchstaben WSI gestoßen sein. WSI steht für „We Simplify the Internet“ und ist der Name eines Franchise-Systems mit Hauptsitz in Toronto, Kanada. Gegründet 1995, nimmt WSI für sich in Anspruch, der weltweit führende Anbieter von Internet-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen zu sein. Nach eigenen Angaben ist WSI mit über 1.500 Internet-Marketing-Beratern in knapp 90 Ländern aktiv. Doch ein Artikel in der Franchise Times meldet Zweifel an den Zahlen an.

So soll dem Artikel zufolge die Zahl der WSI-Franchise-Partner in den USA im vergangenen Jahr von 872 auf 652 gefallen sein. Eine WSI-Pressemitteilung begründet den Rückgang mit einer Neuausrichtung des Unternehmens: WSI will künftig über die Entwicklung von Websites hinaus mehr als Verkäufer von Dienstleistungen im gesamten Bereich Internetmarketing wahrgenommen werden. Die verlorenen Partner hätten diese Entwicklung nicht mitmachen wollen, im Großen und Ganzen sei die Trennung von den Franchise-Partnern einvernehmlich abgelaufen.

Viel Werbung – aber nur zur Gewinnung neuer Franchise-Partner

Julie Bennett von der Franchise Times hat sich WSI genauer angeschaut und Kontakt zu zufällig ausgewählten WSI-Partnern aufgenommen. Dabei stieß sie zum Beispiel auf eine Franchise-Partnerin aus dem Mittleren Westen der USA, die angibt, bereits seit 2002 nicht mehr WSI-Partnerin zu sein, aber dennoch weiterhin von WSI als aktive Franchise-Nehmerin geführt wird. In dem Statement wird zudem beklagt, dass WSI zwar viel Werbung mache, um neue Franchise-Partner zu gewinnen, nicht jedoch, um die Kundenakquisition der Franchise-Nehmer zu unterstützen.

Ein weiterer Franchise-Partner aus den US-Staat Illinois wird in dem Artikel mit den Worten zitiert: „Als ich vor sechs Jahren an der WSI-Schulung in Kanada teilnahm, hatte ich das Gefühl, Franchise-Lizenzen würden an jeden, der sich bei WSI meldet, verkauft. Dort gab es Leute mit keinerlei technischen oder kaufmännischen Qualifikationen. Ich hatte das Gefühl, das Hauptgeschäft von WSI sei es, Franchise-Lizenzen zu verkaufen und nicht, ihre Franchise-Partner bestmöglich zu unterstützen.“

Auch positive Stimmen

Allerdings stieß Franchise Times bei der Umfrage auch auf positivere Stimmen – vor allem bei vielen neueren Franchise-Partnern. So gibt etwa eine Franchise-Partnerin aus Colorado an, ihren Franchise-Vertrag verlängert zu haben, weil das WSI Geschäftsmodell immer mehr vermarktbare Angebote für Endkunden umfasse.

„Bei mir läuft es gut, aber ich weiß, dass auch viele scheitern. Nach zwei Jahren Franchise-Partnerschaft fange ich jetzt gerade damit an, Geld zu verdienen. Wenn ich Anrufe von Leuten bekomme, die sich für dieses Franchise-System interessieren, bin ich ehrlich und sage ihnen, dass es eineinhalb bis zwei Jahre dauert, bis man eigenes Geld verdient“ – so eine weitere Stimme aus dem Artikel.

Den Recherchen von Franchise Times zufolge erscheint die Anzahl der von WSI angegebenen Franchise-Partner fragwürdig. So seien von 23 im Staat Illinois von WSI aufgeführten Franchise-Nehmern bei der Telefonrecherche nur neun als eindeutig aktive WSI-Franchise-Partner identifiziert worden. Die anderen waren nicht zu erreichen, unter anderem, weil die Telefonnummer nicht mehr existierte oder der Anschlussinhaber gewechselt hatte. Bei den sechs für Indiana aufgeführten Franchise-Nehmern waren zwei Leitungen tot, zwei hatten den Anschlussinhaber gewechselt, einer war ständig besetzt und einer hat nicht auf die Anfrage der Franchise Times reagiert.

Nur 35 Prozent aktiv

Ähnliche Ergebnisse brachten auch die Telefonrecherchen in anderen US-Staaten. In Colorado sagte ein Franchise-Partner: „Ich habe seit Mitte des Jahres nichts mehr mit der WSI-Franchise-Lizenz gemacht, aber ich zahle immer noch jeden Monat meine Mindestgebühr von 300 Dollar. Ich kenne Leute, die ihren Franchise-Betrieb und diese Zahlung einstellten und dann von WSI mit Hilfe von Inkassobüros gejagt werden.“ Insgesamt versuchte die Franchise Times, 74 vorgebliche Franchise-Partner zu kontaktieren. Dabei stieß man auf 26 Franchise-Partner, die eindeutig aktiv waren, was einem Anteil von etwa 35 Prozent entspricht.

WSI gibt an, alle Franchise-Partner aufzuführen, die einen Fünf-Jahres-Vertrag haben. Darunter gebe es aber auch inaktive Franchise-Partner und solche, die lediglich die Grundgebühr bezahlen, aber nicht im Geschäft seien. Zudem sei man eine Internetfirma und telefoniere nicht mit Franchise-Partnern.

Diese Darstellung der WSI-Franchise-Partner-Zahlen kann im Hinblick auf die vorvertraglichen Aufklärungsrechte von Franchise-Partnern kritisch bewertet werden. WSI ist auch in Deutschland aktiv. Sind die Aussagen des Artikels in der Franchise Times zutreffend, könnte die WSI-Werbung mit 1.500 Franchise-Partnerschaften auch in Deutschland als fragwürdiges Verkaufsargument für eine WSI-Lizenz gewirkt haben.

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