Unabhängige Vereinigungen von Franchise-Nehmern eines Franchise-Systems sind in Deutschland weitgehend unbekannt. Doch in den USA erkennen immer mehr Franchise-Nehmer die Chancen, die ein unabhängiger Zusammenschluss bietet.

Franchise-Experten schätzen, dass es in Nordamerika 300 bis 400 unabhängig organisierte Franchise-Nehmer-Vereinigungen gibt. Tendenz steigend. Das Spektrum reicht dabei von riesigen Organisationen bis zu kleinen Gruppierungen. So besteht beispielsweise die „North American Association of Subway Franchisees“ (NAASF) seit etwa acht Jahren, beschäftigt eigene Mitarbeiter und nimmt für sich in Anspruch, alle Subway-Franchise-Nehmer zu vertreten. Auch wenn der Schwerpunkt auf der Vertretung von Subway-Partnern in den USA und Kanada liegt, steht die Organisation auch Franchise-Nehmern aus Deutschland und anderen Ländern offen. Mit rund 2.500 Mitgliedern zählt auch die Dunkin‘ Donuts Independent Franchisee Organization zu den großen Vereinigungen. Doch auch bei vielen kleineren Franchise-Systemen haben sich die Franchise-Nehmer zusammengeschlossen. Selbst Dachvereinigungen gibt es: So managt zum Beispiel die American Association of Franchisees and Dealers (AAFD) ein gutes Dutzend kleinerer Franchise-Nehmer-Vereinigungen. Allerdings werden unabhängige Franchise-Nehmer-Vereinigungen bei einem Konflikt mit dem Franchise-Geber häufig nur vorübergehend gegründet, aber nach dessen Beilegung wieder aufgelöst.

Erfolge unabhängiger Franchise-Nehmer-Vereinigungen

Ein Artikel der Franchise Times legt nahe, dass unabhängige Franchise-Nehmer-Vereinigungen heute nicht nur stärker als je zuvor sind, sondern zunehmend Bedeutung fürs Franchising insgesamt gewinnen. Und in der Tat konnten unabhängige Franchise-Nehmer-Vereinigungen in den USA in der jüngeren Vergangenheit schon große Erfolge erzielen. So zahlte z. B. die Sandwichkette Quiznos über 200 Millionen US-Dollar an frühere und bestehende Franchise-Partner, um Rechtstreitigkeiten beizulegen. Im Februar 2011 entschied ein US-Gericht zugunsten der „Association of Kentucky Fried Chicken Franchisees“. Im July gestand ein weiteres Gericht den 170 Mitgliedern der „Edible Arrangements Independent Franchisee Association“ das Recht zu, ihren Franchise-Geber zu verklagen. Ein wichtiges Urteil auch für andere Franchise-Nehmer-Vereinigungen, die ihre Mitglieder auch vor Gericht gegenüber dem Franchise-Geber vertreten wollen.

Einfluss auf Franchise-Gesetze

Ein Vorteil, den die unabhängige Vereinigung von Franchise-Nehmern mit sich bringt, ist die Stärkung der Position gegenüber dem Franchise-Geber – etwa, wenn es darum geht, einen guten Fachanwalt zu engagieren. Auch die „Federal Trade Commission’s Franchise Rule“ stärkt die Rolle unabhängiger Vereinigungen, da Franchise-Geber ihre neuen Partner nun im Rahmen der vorvertraglichen Aufklärung über solche Vereinigungen informieren müssen. Vertreter unabhängiger Franchise-Nehmer-Vereinigungen haben zudem bereits erfolgreich auf die Franchise-Gesetzgebung in einzelnen Staaten Einfluss genommen. Die Bedeutung unabhängiger Franchise-Nehmer-Vereinigungen ist in den USA inzwischen so groß, dass bereits spezielle Dienstleister den Markt ins Visier genommen haben.

Die heimlichen Hüter von Franchise-Marken

Größere Franchise-Nehmer-Vereinigungen wie die von Dunkin‘ Donuts, Burger King, Subway und Little Caesar’s haben sich zur Coalition of Franchisee Associations (CFA) zusammengetan. Bei Franchise-Systemen wie Burger King und KFC haben die Franchise-Nehmer mehrere Wechsel an der Führungsspitze überdauert und wurden so die den eigentlichen Hütern der Franchise-Marke. Die zunehmende Entstehung unabhängiger Franchise-Nehmer-Organisationen verweist zudem auf gewachsenes Selbstbewusstsein der Franchise-Partner, die heute immer öfter agieren als nur reagieren.

Nur wenige deutsche Franchise-Nehmer tun es

In Deutschland sind unabhängige Franchise-Nehmer-Vereinigungen eine Seltenheit. Dabei kann eine solche Organisation Franchise-Nehmer nicht nur im Konfliktfall helfen. Sie bietet zudem die Möglichkeit, stärker an einem Franchise-System mitzuwirken und das Machtgefälle zwischen Franchise-Geber und -Nehmer auszugleichen. Viele Franchise-Systeme bieten ihren Partnern zwar interne Mitwirk- und Austauschmöglichkeiten, doch oft nur in sehr begrenztem Rahmen. Spannend, ob auch Franchise-Nehmer in Deutschland die Chancen unabhängiger Zusammenschlüsse erkennen und ergreifen werden.