Deutschland ist in vielen Bereichen nach wie vor eine der führenden Exportnationen. Ein anderes Bild liefert jedoch die deutsche Franchise-Wirtschaft. Zwar schaffen hierzulande relativ viele Franchise-Systeme den Sprung ins deutschsprachige Ausland. In einem weiteren Sinn international aktive Systeme gibt es aber eher wenige, von Ausnahmen wie zum Beispiel Vapiano, Vom Fass, Mrs. Sporty oder Fressnapf einmal abgesehen.

In einem Artikel auf FranchiseTimes haben die Franchise-Experten William Edwards und Robert Shaw vom US-Beratungsunternehmen EGS mehrere Kriterien vorgestellt, die als gute Voraussetzungen für die internationale Multiplikation erachtet werden können. Einige davon sollen hier kurz wiedergegeben werden. Am Ende des Artikels finden sich zudem Hinweise auf weitere Quellen zum Thema „Internationalisierung von Franchise-Systemen“

Klare Planung

In jedem Fall sollte ein genauer Businessplan mit einer klaren Strategie und erreichbaren Zielen entwickelt worden sein. Auf Anfragen von Interessenten aus dem Ausland sollte nicht konkret eingegangen werden, solange diese Planung nicht abgeschlossen ist.

Unterscheidbarkeit und Alleinstellungsmerkmale

Franchise-Systeme, die international expandieren wollen, sollten zudem sicherstellen, dass das Geschäftskonzept ein oder mehrere Alleinstellungsmerkmale aufweist, die auch in den anvisierten Zielmärkten den Unterschied zur Konkurrenz machen. Potente Master-Franchise-Interessenten suchen nicht selten gezielt nach Systemen mit solchen Besonderheiten.

Erfolgsbelege im eigenen Land

Wesentlich für die Gewinnung internationaler Master-Franchise-Nehmer sind nach Einschätzung der Experten zudem der belegbare Erfolg im eigenen Land und zufriedene Franchise-Nehmer, die den Master-Franchise-Interessenten entsprechend überzeugende Auskünfte geben.

Überzeugende Systemdokumentationen und Programme

Auch wenn Franchise-Systeme häufig an die Kultur und Gegebenheiten im jeweiligen Zielland angepasst werden müssen, tragen im Heimatland bestehende Systemhandbücher, Schulungs- und Support-Konzepte sowie Marketingprogramme dazu bei, Master-Franchise-Nehmer zu überzeugen. Zudem ist die umfassende Dokumentation des Systems eine wesentliche Grundlage zur Übertragung des Geschäftskonzepts auf andere Märkte.

Effektive Kommunikationsinfrastruktur

Edwards und Shaw empfehlen zudem ein Intranet bzw. eine IT-Infrastruktur, die kosteneffiziente Kommunikation ermöglicht. Sowohl für den Austausch von Partnern in verschiedenen Zeitzonen als auch für die Bereitstellung von E-Learning und Support-Services rund um die Uhr.

Erfolgs- und Qualitätskontrolle

Wesentlich sei auch das Monitoring in den Zielländern. Häufig werde der Fehler gemacht, die Erfolgs- und Qualitätskontrolle im Stammland groß zu schreiben, in den ausländischen Märkten jedoch zu vernachlässigen.

Die Zielmärkte analysieren

Für eine gute Verhandlungsposition gegenüber potenziellen Master-Franchise-Nehmern empfehlen die Autoren, eine genaue Analyse des jeweiligen Zielmarktes und der Konkurrenz vor Ort.

Markenrechte rechtzeitig sichern

Franchise-Geber, die ins Ausland expandieren, sollte die Rechte an der eigenen Marke oder auch an Gebrauchsmustern und Patenten stets selbst im jeweiligen Zielland sichern. In keinem Fall sollte dies dem Master-Franchise-Nehmer oder potenziellen Partnern gestattet werden.

Kostenfreie Studie zur internationalen Franchise-Expansion

Für eine erfolgreiche internationale Franchise-Expansion müssen sicher noch zahlreiche weitere Aspekte wie etwa die von Land zu Land unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Einen lesenswerten Überblick zum Thema „Chancen und Risiken der Internationalisierung von Franchisesystemen“ bietet eine Studie des Internationales Centrums für Franchising und Cooperation (F&C), das auch für die Durchführung des System-Checks des DFV verantwortlich zeichnet. Die 38 Seiten starke Studie zeigt auch verschiedene Formen des internationalen Franchisings auf (Direktes Auslandsfranchising, Masterfranchising, Area Development etc.) und kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Fragen und Antworten zur Unternehmensexpansion ins Ausland mittels Franchising finden sich auch in einem Chat-Protokoll auf Franchise-Treff.de. Hier informierte Frau Mag. Silvia Schernthaner-Leitner vom Franchise-Beratungsunternehmen Sycon über die Schritte zur internationalen Franchise-Expansion.

Im April 2013: Master-Franchise-Konferenz in Salzburg

Auch die Website von Franchise Pool International bietet viel Information zum Thema Master-Franchising. Franchise Pool International wurde 2004 auf Initiative des Deutschen Franchise-Verbands (DFV) ins Leben gerufen. Heute bildet FPI ein internationales Netzwerk von Master-Franchise-Beratern und Masterlizenz-Vermittlern. Übrigens: Bereits am 12. und 13. April 2013 veranstaltet FPI das „Global Master Franchise Forum“. Hier stellen Franchise-Geber, die international expandieren wollen, ihr Geschäftskonzept vor. Als Gesprächspartner sind Franchise-Broker aus ganz Europa anwesend, die laut FPI insgesamt 25 Länder abdecken.

Kennen Sie weitere spannende Quellen zum Thema „Internationalisierung von Franchise-Systemen“? Informieren Sie unsere Leser mit Ihrem Kommentar.