Etwa jede neunte Existenzgründung in Deutschland erfolgt laut DIHK durch Migranten. Die meisten davon von türkisch-stämmigen Mitbürgern. Doch egal, ob aus der Türkei, Russland, Italien, Spanien, Polen oder anderen Ländern – Franchise-Systeme haben mit ihren unterstützenden Leistungen das Potenzial, Gründern ausländischer Herkunft besondere Chancen zu bieten.

Umso erstaunlicher, dass kaum ein Franchise-Unternehmen gezielt um Franchise-Partner mit Migrations-Hintergrund wirbt oder gar spezielle Einstiegsprogramme für ausländische Existenzgründer aufsetzt.

Ein wichtiges Thema – bislang nur im Ausland

Was in anderen Ländern, vor allem in den USA, unter dem weiter gefassten Begriff „Minority Franchising“ längst zu einem wichtigen Thema geworden ist, scheint in der deutschen Franchise-Wirtschaft weiterhin ein Schattendasein zu fristen. Während sich in den USA mehrere Internetportale dem Minority Franchising widmen, sind hierzulande kaum Online-Informationen zu Franchise-Angeboten für Migranten zu finden. Auch der Deutsche Franchise-Verband hat sich dem Thema bislang nur wenig angenommen. Das Franchiseportal.de stellt ein spezielles Zielgruppen-Dossier hierzu bereit.

Haupthindernis: die Sprache

Klar ist: Gute Franchise-Partner zu gewinnen, zählt zu den größten Herausforderungen für seriöse Franchise-Unternehmen. Klar ist auch, dass alleine aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland Menschen mit ausländischer Herkunft als potenzielle Franchise-Partner immer wichtiger werden. Laut DIHK liegt das Hauptproblem bei ausländischen Unternehmern bei mangelnden Deutschkenntnissen. Franchise-Systeme, die sich für die Aus- und Weiterbildung ihrer Partnern einsetzen, könnten hier spezielle Angebote schaffen, um die Sprachkenntnisse nicht zum Knock-Out-Kriterium werden zu lassen. Denn außer bei der Sprache haben Existenzgründern mit Migrationshintergrund meist in den gleichen Bereichen Defizite wie deutsche Gründer: bei der Finanzierung und bei kaufmännischen Fragen.

Viele Menschen ausländischer Herkunft bringen allerdings auch hervorragende fachliche Qualifikationen mit, die lediglich von offzieller Seite in Deutschland nicht anerkannt werden. Darüber hinaus verzeichnen Gründungsberater ein besonders hohes Maß an Engagement und Arbeitswillen bei Migranten und Aussiedlern, die ihr eigenes Unternehmen gründen wollen.

Förderfähig wie andere Gründungen

Rechtlich ist der Start in die Selbstständigkeit in der Regel kein Problem, das das Grundgesetz die Möglichkeit zur beruflichen Selbstständigkeit sichert. Dies gilt außer für deutsche Staatsangehörige auch für Menschen aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, aus Norwegen, Liechtenstein und Island. Gründer aus anderen Ländern benötigen allerdings eine Aufenthaltsgenehmigung ohne Auflagen. Übrigens können auch Existenzgründer ausländischer Herkunft in der Regel staatlichen Fördermittel beantragen.

Dass die Zielgruppe „Franchise-Nehmer mit Migrationshintergrund“ spannend ist, zeigt zum Beispiel das Angebot des Beratungsunternehmens Frannet, das Franchise-Seminare und Gründungsbegeleitungen für russischsprachige Franchise-Interessierte anbietet.

Besondere Chancen

Was viele Franchise-Geber zu übersehen scheinen: Franchise-Nehmer ausländischer Herkunft können auch die internationale Expansion des Systems fördern. Ein aktuelles Beispiel hierfür liefert Call a Pizza. Ein syrischstämmiger Franchise-Nehmer, der bereits in München aktiv war, hat nun den ersten internationalen Call-a-Pizza-Standort eröffnet. Darüber hinaus gibt es gerade in größeren Städten spannende Standorte, etwa in Stadtteilen mit gemischter Bevölkerungsstruktur, die u. U. erfolgreicher von Franchise-Partnern mit Migrationshintergrund geführt werden können.

Infos und Rat für Existenzgründer mit Migrationshintergrund

Das Online-Informationsangebot zum spezifischen Thema „Franchising für Migranten“ ist, wie gesagt, sehr spärlich. Zum weiter gefassten Thema „Existenzgründungen von Migranten“ finden sich jedoch teils gut aufbereitete Informationen. So bietet zum Beispiel die AWO-Bremen ein spezielles Themenheft. Auch eine Ausgabe der „Gründerzeiten“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie enthält hilfreiche Tipps. Einen Blick Wert sind zudem die entsprechenden Seiten unter www.arbeitsagentur.de.

Angehende Existenzgründer und – Gründerinnen ausländischer Herkunft können zudem u. a. bei folgende Initiativen und Netzwerken Rat einholen:

www.unternehmer-ohne-grenzen.de

www.gruenderinnenzentrale.de

http://peterfuldstiftung.de

Es bleibt also abzuwarten, ob die deutsche Franchise-Wirtschaft das Potenzial von Menschen mit Migrationshintergrund erkennt. Sie könnte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen, die sich nicht nur positiv auf den Erfolg der Franchise-Wirtschaft insgesamt auswirkt, sondern auch wichtige Impulse für gelebte Integration liefert.

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