Den Traum, sich mit dem eigenen Coffeeshop selbstständig zu machen, hegen viele. Doch eine Franchise-Gründung mit dem eigenen Café ist bei der aktuellen Marktsituation nicht ohne Risiko. Das zeigt nicht nur der Blick auf die Entwicklung einiger Coffeeshop-Franchise-Systeme.

Gastronomie-Franchise-Systeme, die vor allem auf das Angebot klassischer Coffeeshops bzw. Cafés setzen, haben in den vergangenen Jahren von verschiedenen Seiten zunehmend Konkurrenz bekommen. So haben sich beispielsweise zahlreiche Bäckereien und Bäckerei-Ketten mehr und mehr zu backgastronomischen Konzepten gewandelt, die ihren Kunden nicht nur Backwaren, sondern auch Kaffeespezialitäten und Sitzgelegenheiten für den Vor-Ort-Verzehr bieten.

Konkurrenz von backgastronomischen Systemen

Auch große Franchise-Systeme wie Backwerk oder Back-Factory haben diesen Wandel vollzogen und warten heute vielfach mit Betriebsformen auf, die Coffeeshops ähneln, und zudem günstige Preise bieten. Auch Fast Food- und Kaffeehandelsketten oder Kioske und Süßwarenfachgeschäfte bieten heute oft Espresso, Cappuccino und mehr – sei es auch nur “To go”.

Für weitere Konkurrenz sorgen Coffeeshop-Ketten, die nicht als Franchise-System aktiv sind. Dazu zählt auch der US-Coffeeshop-Riese Starbucks, der hierzulande bislang keine Einzel-Franchise-Lizenzen vergibt. Zudem lassen sich mit der zunehmenden Verfügbarkeit von preiswerten Kaffeevollautomaten und Espressomaschinen auch zuhause, im Büro oder anderen Standorten leicht leckere Kaffeespezialitäten zubereiten.

DEHOGA sieht rückläufige Wachstumschanchen

Auch der Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) wertete in seiner Publikation “System-Gastronomie in Deutschland 2014″ die Wachstumschanchen für Coffeeshops und Coffeebars in den nächsten zwei bis drei Jahren als rückläufig. Unter den 15 bewerteten Marktsegmenten rangieren Coffeeshops und Coffeebars nur noch auf Platz sieben. Angeführt wird das Ranking von den Systemgastronomie-Marktsegmenten “Take away / to go” (Platz 1), “Home Delivery” (Platz 2) und “Feizeitgastronomie” (Platz 3).

Viele Coffeeshop-Franchise-Systeme sind geschrumpft

Mit dem coffeeshop-ähnlichen Gastronomie-System Dulce, das im Jahr 2007 gegründet worden war, und das seit 2009 als Franchise-System expandierte, hat vor Kurzem eine Kaffeehauskette Insolvenz angemeldet, die zeitweilig über 25 Standorte in Deutschland zählte. Auch andere Coffeeshop-Franchise-Systeme expandieren aktuell nur noch wenig oder haben gar rückläufige Standortzahlen. So sank zum Beispiel der Zahl der Cafés der San Francisco Coffee Company von über 20 im Jahr 2011 auf aktuell 15. Auch das Franchise-System Segafredo Espresso Bar hatte in den vergangenen Jahren rückläufige Zahlen. 2011 gab es noch rund 100 Segafredo Espresso Bars in Deutschland. Im Oktober 2014 meldete das Unternehmen die Eröffnung des 88. deutschen Standorts. Weitere Beispiele: Das Franchise-System Coffee Fellows stagniert seit einigen Jahren im Hinblick auf die Standortzahlen. Seit 2012 gibt es etwa 70 Coffeeshops der Marke Coffee Fellows. Die Zahl der deutschen Standorte des österreichischen Franchise-Systems Coffeeshop Company (Schärf-Gruppe) sank seit 2011 von rund 35 auf aktuell 15 (Quelle: Unternehmenswebsite). Das Coffeeshop-Franchise-System Cup&Cino Coffee House zählte 2012 noch über zehn Standorte in Deutschland. Jetzt sind noch sieben auf der Unternehmenswebsite gelistet.

Franchise-Angebote sehr genau prüfen

Wer sich angesichts dieser Entwicklungen mit dem Gedanken trägt, Franchise-Partner eines Coffeeshop-Systems zu werden, sollte nicht nur die jeweiligen Konzepte genau prüfen, sondern auch auf Alleinstellungsmerkmale achten, die wirklich von der Konkurrenz unterscheidbar machen und belegbar bei den Kunden ankommen.
Mindestens ebenso wichtig ist die sehr genaue Prüfung des Standorts und Standortumfelds. Besondere Relevanz haben auch die Gebühren, die die Franchise-Systeme erheben, die Einkaufskonditionen und die Leistungen das Systems, die sich in einer rentablen Betriebsführung niederschlagen.

Nicht zuletzt sollte das Kaffee-Angebot, des weitere Sortiment und das Design genauestens geprüft und verglichen werden. Ausschlaggebend ist dabei nicht der eigene Geschmack, sondern der der Zielgruppen am jeweiligen Standort. Auch ein Blick auf die bisherige Anpassungsfähigkeit und -Geschwindigkeit des Systems auf Trends und Marktveränderungen lohnt immer. Denn auch die Coffeeshop-Branche wird stark von Moden beeinflusst und unterliegt einem stetigen Wandel.