Die erste deutsche Staffel von „Undercover Boss“ sendete der TV-Sender RTL im Frühjahr 2011. Die Grundidee der Sendung: Firmenchefs verkleiden sich als einfache Mitarbeiter und lernen ihr Unternehmen aus Sicht der Mitarbeiterbasis kennen. In Kürze wird die fünfte deutsche Staffel ausgestrahlt: Dabei schlüpfen erneut gleich mehrere Chefs von Franchise-Systemen in die Rolle des „Undercover Boss“.

Das Format „Undercover Boss“ wurde 2009 von der britischen Produktionsfirma „Studio Lambert“ entwickelt. Heute wird die Sendung in über 20 verschiedenen Ländern produziert und ausgestrahlt. Für die „Undercover Boss“-Sendungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz zeichnet die MME Entertainment GmbH verantwortlich. Bereits in den vergangenen deutschen Staffeln waren Franchise-Unternehmen besonders stark vertreten. Als Undercover Boss traten bereits Mika Ramm vom Eismann Tiefkühl-Heimservice, Marcus Smola von der Franchise-Hotelkette Best Western und Karsten Freigang vom Franchise-Systems Joey’s Pizza auf. Auch Andreas Bork, General Manager bei der Franchise-Kette Burger King, Swen Neumann vom Gastronomie-Franchise-System Wienerwald und Valerie Bönström von der Fitness-Franchise-Kette Mrs.Sporty standen bereits im Mittelpunkt des u. a. von der „Welt“ als „Dauerwerbesendung“ kritisierten TV-Formats. Weitere verdeckt arbeitende Manager waren Jaap Schalken vom Bäckerei-Franchise-System Kamps, Stefan Kulas von der Franchise-Werkstatt-Kette Pit-Stop, Carsten Eisele vom Franchise-System Zoo & Co und Thomas Herzner von der im Franchising betriebenen Baumarktkette BauSpezi.

Franchise-System Isotec: Horst Becker als „Undercover Boss“

In der neuen vierten Staffel legen gleich vier Manager von Franchise-Unternehmen ihre Anzüge ab und geben sich als einfache Mitarbeiter aus. Den Anfang macht Horst Becker, Geschäftsführer des auf Gebäudesanierungen spezialisierten Franchise-Systems Isotec (Sendetermin: 15.4.2013, 21.15 Uhr). Eine Woche lang habe Becker sein komfortables Büro und die Annehmlichkeiten der Chefetage gegen die harte Realität an der Basis eingetauscht, heißt es in der RTL-Sendungsbeschreibung.

Sonnenstudio-Franchise-System Sunpoint: Der Chef als Aushilfe

Eine Woche darauf, am 22.4.2013, gibt dann Martin Paffenholz, geschäftsführender Gesellschafter des Sonnenstudio-Franchise-Systems Sunpoint den Undercover Boss.und betätigt sich als Aushilfsarbeiter im Sonnenstudio.

Verdeckt beim Franchise-System Mister Minit

In der Sendung am 29. April 2013 hat Michael Gomolka, Operations Director und Mitglied der Geschäftsleitung des Franchise-System Mister Minit Deutschland seinen verdeckten Einsatz. Franchise-Partner von Mister Minit bieten u. a. Schuhreparatur, Schlüssel- und Gravurservices.

Auch mit dabei: Matthias Machauer von der Enchilada Franchise GmbH

Am 6. Mai 2013 verlässt Matthias Machauer, Geschäftsführer der Enchilada Franchise GmbH, den Chefsessel und taucht in die Arbeitswelt der Enchilada-Mitarbeiter ein. Die Enchilada-Gruppe zeichnet u. a. für die Gastronomie-Franchise-Systeme Enchilada, Besitos und Dean & David verantwortlich.

Unverfälschter Blick für Chefs oder verkappte Dauerwerbesendung?

Der Duden definiert den Begriff „Doku-Soap“ als „[…] Dokumentarbericht mit mehr oder weniger stark inszeniertem Ablauf, der bewusst unterhaltsam oder anrührend gestaltet ist“. Und in der Tat werden sich wohl die wenigsten Mitarbeiter alltäglich verhalten, wenn plötzlich eine neue Hilfskraft auftaucht, die von einem Fernsehteam begleitet wird. Speziell bei Mitarbeitern von Franchise-Systemen dürfte es sich inzwischen herumgesprochen haben, dass es sich bei neuen Mitarbeitern in TV-Begleitung um den Boss handeln könnte. Kritiker werfen der Sendung vor, nicht mehr als eine verkappte Dauerwerbesendung zu sein. Und tatsächlich erscheinen Aussagen wie „Die Firmenchefs bekommen so einen unverfälschten Blick auf das, worüber sie sonst nur theoretisch entscheiden“ (Zitat aus einer Pressemitteilung der Produktionsfirma MME) fragwürdig. Denn ginge es den Firmenchefs tatsächlich um den „unverfälschten Blick“ und nicht um Werbung, könnten sie jederzeit unerkannt an der Basis mitarbeiten – ganz ohne TV-Team im Schlepptau.

Alternative zu „Bauer sucht Frau“

Für bare Münze sollten die Zuschauer die Sendung daher wohl eher nicht nehmen. Und auch Existenzgründer, die sich für eine Franchise-Partnerschaft mit den „Undercover Boss“-Franchise-Systemen interessieren, besuchen vermutlich besser mehrere Standorte des jeweiligen Systems und ermitteln in eigener Sache. Für alle, die leichte Unterhaltung suchen, wird wahrscheinlich auch die neue Staffel genug zu bieten haben – und eine Alternative zu „Bauer sucht Frau“ ist „Undercover Boss“ allemal.

Hier noch einige Links auf Artikel/Infos zur Sendung Undercover Boss:

Wirtschaftswoche: Informationen zur Werbewirksamkeit des Formats

Die Welt: kritischer Artikel zur Sendung

Kress Mediendienst: Unterhaltsames Online-Voting zur ersten Sendung

Focus: Artikel zur juristischen Dimension der Sendung