Zwischen 942 Millionen und knapp 1,5 Milliarden Euro geben Eltern in Deutschland jährlich für Nachhilfe aus – zu dieser Einschätzung kommt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung. Nachhilfe dient dabei längst nicht mehr nur dem temporären Ausgleich einzelner Schwächen, sondern entwickelt sich mehr und mehr zu einer dauerhaften schulbegleitenden Maßnahme. Besonders starke Präsenz im Nachhilfemarkt zeigen Franchise-Systeme wie die Schülerhilfe oder der Studienkreis. Aber auch diverse andere Franchiseunternehmen bieten Existenzgründern die Chance, sich mit der eigenen Nachhilfeschule selbstständig zu machen.

Jeweils rund 1.000 Nachhilfeschulen zählen die Franchise-Systeme Schülerhilfe und Studienkreis. Sie sind damit die größten Nachhilfeanbieter in Deutschland. Allein auf der Existenzgründerplattform www.franchiseportal.de finden sich rund zehn weitere Franchiseunternehmen, die auf Nachhilfe setzen. Darunter das Duden Institut für Lerntherapie, Aha! Nachhilfe, PTE und der Mini-Lernkreis. Hinzu kommen etliche, die sich auf einzelne Lerngebiete oder Sprachen spezialisiert haben.

Hart umkämpft

Doch auch wenn der Nachhilfe-Markt boomt, sollten Existenzgründer sich genauestens informieren, mit welchem System und wo sie in die Selbstständigkeit starten wollen. Denn der Milliarden-Markt Nachhilfe ist hart umkämpft. Neben bundesweit bekannten Franchise-Marken tummeln sich hier auch jede Menge lokal oder regional aktive Anbieter und tausende Nachhilfe-Lehrer, die ihre Dienste als Einzelpersonen anbieten. So sind zum Beispiel auf dem Nachhilfeverzeichnis www.tutoria.de rund 11.000 Nachhilfelehrer gelistet.

Große regionale Unterschiede

Auch die Bereitschaft der Eltern, für Nachhilfe in die eigene Tasche zu greifen, ist regional sehr unterschiedlich und sollte bei einer möglichen Franchise-Gründung berücksichtigt werden. Der Bertelsmann Stiftung zufolge sind die durch­schnittlichen Ausgaben pro Schüler und Jahr mit 131 Euro in Hamburg und Baden-Württemberg am höchsten. In Sach­sen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen sie hingegen bei nur 74 Euro. Der Bundesdurch­schnitt liegt bei 108 Euro.

Gesellschaftlich umstritten

Der Trend zu privatem Ergänzungsunterricht ist zudem auch gesellschaftlich umstritten. So sehen u. a. Gewerkschaften in dieser Entwicklung ein Beleg für zunehmende soziale Ungerechtigkeit in Sachen Bildung, da Nachhilfeunterricht meist nur für finanzstärkere Familien in Betracht kommt. Und auch Dr. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, kommt zum Schluss, dass das Ziel eines chancengerechten und qualitativ guten Schulsystems sein müsse, Nachhilfe weitestgehend überflüssig zu machen. Auch wenn in Deutschland derzeit politisch für dieses Ziel eher wenig getan wird, zeigen Länder wie Finnland, Kanada oder die Niederlande: Die Schüler dort kommen meist ohne Nachhilfe aus und schneiden bei den PISA-Studien dennoch besser ab als deutsche Schulkinder. Sollten hier also mittelfristig neue politische Entscheidungen wirksam werden, könnten auch sie Geschäftstätigkeiten im Nachhilfemarkt erschweren.

Der Blick aufs Spezielle

Deshalb sollten potenzielle Franchise-Gründer auch Systeme in Erwägung ziehen, die speziellere Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche im Programm haben. Das Spektrum an Franchise-Chacnen ist auch hier enorm und reicht von eher speziellen Sprachkursen (z. B. Amiguitos – Spanisch und Italienisch für Kinder) über naturwissenschaftliche Experimentierangebote (z. B. Mitmachlabor EMA) bis zu Theaterschulen (z. B. Stagecoach). Eine Übersicht von spezieller ausgerichteten Systemen findet sich z. B. unter www.franchise-treff.de. Diverse Franchise-Geber haben ihr Geschäftskonzept zudem auf breitere Basis gestellt und bieten Kurse nicht nur für Schüler, sondern auch für Erwachsene.

Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung steht hier zum kostenlosen Download bereit.